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Manchmal ist es einfach zum aus der Haut fahren. Da steckt die Musikindustrie nach eigener Aussage in einer schweren Krise, aber dennoch passiert es immer wieder, dass man sich irgendwelchen Müll anhören muss, der bisweilen Plattendeals hinterhergeworfen bekommt. Und dann findet man ein Juwel von einer Band und die stehen ohne Vertrag da.

So auch im Fall von Crystal Crow, einer Band, die zwar erst 2003 gegründet wurde, aber schon jetzt sehr überzeugendes Material abliefert. Genug der Vorschusslorbeeren, kommen wir doch mal zu ihrer vorliegenden und selbstproduzierten EP „Love Again“, die sie im Oktober des vergangenen Jahres herausgebracht haben.

Was man auf die ersten paar Töne hin und aufgrund des (recht schönen) Covers vielleicht einfach für eine weitere Gothic Metal- Scheibe halten könnte, ist viel mehr. Es werden verschiedenste Stilelemente vermischt, die auf Anhieb sicherlich nicht vermutet werden, aber im Gesamtkonzept doch überzeugen. Von Gothicelementen über wesentlich härtere Bestandteile, bei denen sich der Hörer schon auf dem besten Weg zum Melodic Deathmetal wähnt, gibt es auch deutlich progressive Teile. Und das gilt sowohl für den instrumentalen Teil der Band, als auch für den Gesang, aber auf den komme ich gleich noch ausführlicher zu sprechen.

Der Wechsel zwischen sehr ruhigen melodiösen Parts, in denen recht stark mit dem Keyboard hantiert wird und der ein oder anderen Riffwand, die es in sich hat, ist stets sehr gelungen. Die Basslinien (meine ach so geliebten Basslinien) sind oft verspielt und einfallsreich und sorgen zusammen mit dem Drumming für ordentliches Grooven. Sehr schöne Melodien mit teilweise traumhaften Gitarrenleads sind definitiv eine der Stärken des Quintetts. Da ist mehr als ein potentieller Ohrwurm auf dem Silberling zu finden und es ist schnell passiert, dass einem der Kopf im Takt wippt.

Der Gesang ist definitiv eine weitere Besonderheit auf der Scheibe, wenn anfänglich auch irgendwie befremdlich. Beim ersten Song „Corruption“ kommt erst mal ein tiefes Growlen um dann mit klarem, wenn auch recht tiefem, Gesang fortzufahren. Die Krone bekommt das Ganze aufgesetzt, wenn Stimmkünstler Dirk „Whych“ Binder sich dann anschickt, die Stimme in Höhen erschallen zu lassen, in die der ein oder andere Progressive Metal- Sänger erst mal sicher aufsteigen müsste. Diese Stimmlagenwechsel sind ein weiteres Charakteristikum der Songstrukturen, die Crystal Crow ausmachen. Oft werden an Stellen, die man eher für klaren Gesang in Betracht gezogen hätte, die Shouts verwendet und umgekehrt, aber es passt trotzdem jedes Mal. Es ist sogar so, dass die Art des Umgangs mit dem Gesang die ohnehin schon sehr stimmungsvollen Lieder weiter aufwertet. Es ist manchmal schwer zu glauben, dass der Kerl das alles allein singt.

Kurzum, hier liegt ein überzeugendes Erstwerk vor, welches durch ein Gespür für Melodien, den richtigen Einsatz von Härte und eine außergewöhnliche Stimme besticht. Sehr geschickte Arrangements, inspiriertes Songwriting, eine recht gute Produktion und ein kreatives Artwork lassen für die Zukunft einiges erwarten und ich WILL, dass die Jungs einen Plattendeal bekommen, verdient hätten sie ihn.

Anspieltipps (wenn man das Ding nicht gleich ganz durchhören will) wären „Love Again“ und „Catch The Fall“.

Wer Interesse an der EP hat, kann das Teil auf der Homepage der Band für sechs Euro käuflich erwerben.
 
5,5 / 7 Punkte
Marco "Mr.Vandemar" Cardoso
 
 
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