Nocturnal Hall
Sehr viel Mühe haben sich CRYSTAL CROW mit ihrem Promo-Päckchen gemacht, so gibt es neben einem Info-Sheet in DIN A4-Format und der schick aufgemachten Musik-CD auch noch eine Daten-CD mit weiteren Informationen, Fotos, Logos und sonstigen Sachen drauf. Nicht schlecht...

Was hat Love Again aber nun musikalisch zu bieten? Selber beschreibt die Band ihren Stil als Symbiose aus traditionell dunkler Musik und progressiven Metal-einflüssen. Wenn man die Gewichtung umgekehrt setzt (also erst den Metal), dann passt das eigentlich auch ganz gut. Vergleiche könnte man vielleicht zu den ersten beiden Ever Eve-Veröffentlichungen anführen, die ja damals ebenfalls weder in die Gothic- noch in die Metal-Ecke passten. CRYSTAL CROW klingen insgesamt aber dann doch eher metallisch und offenbaren für meinen Geschmack auch noch eine deutliche Schlagseite hin zum epischen Power Metal à la Savatage o.ä.

Das liegt zum einen teilweise an den Arrangements, zum anderen am Gesang von Frontmann Dirk, solange er sich im cleanen Bereich bewegt, wobei er es jedoch manchmal mit dem verbreiteten Pathos übertreibt. Allerdings lässt sich der Mann nicht festlegen und hat zusätzlich noch zünftiges Gegrunze als auch sehr tiefe Vocals im stimmlichen Angebot. Die Musik bewegt sich meistens im langsamen bis mittelschnellen Bereich; die Gitarren haben einen sehr schönen, knackig-trocken verzerrten Sound, während der Bass eher pumpend rüberkommt. Die Produktion ist sehr sauber und professionell ausgefallen und gibt so allen Instrumenten die Möglichkeit, sich in den kraftvollen Gesamtsound passend zu integrieren.

Der Opener Corruption fängt dann auch eher hart mit recht dominanten Gitarren an, allerdings verstehen sich CRYSTAL CROW durchaus auf die Kunst, einzelne Passagen immer wieder durch eingestreute Breaks aufzulockern; außerdem wird schnell deutlich, dass man Wert auf einprägsame (nicht klischeehafte!) Refrains legt. Das Titelstück ist dagegen vertrackter und somit auch sperriger ausgefallen, verbreitet aber schon eine deutliche düstere Atmosphäre. Kernstück der CD dürfte aber der dritte Track Catch The Fall sein, wo die Band alle Register zieht und gekonnt sämtliche genannten Stilistiken miteinander verbindet. Das letzte Stück Immortality schlägt ungefähr in die gleiche Richtung und gefällt mir nach hinten raus hin immer besser, allerdings klingt der Gesang hier doch noch etwas wacklig und zu angestrengt.

Trotzdem bieten uns die 5 Musiker schon eine sehr ausgereifte Leistung an; man hört, dass hier klare Vorstellungen über die musikalische Ausrichtung existieren und auch das Können, dieses Ziel dann konsequent umzusetzen. Ich persönliche würde mir noch ein wenig mehr Mut zu Experimenten oder ungewöhnlichen Ideen wünschen, das würde das Profil der Band noch eigenständiger machen. Für Freunde der bisher beschriebenen Stilistiken ist aber auch Love Again bereits eine sichere Bank!
 
ohne Wertung
 Psycho
 
 
< Zurück   Weiter >